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Digital Omnibus EU AI Act: Wird die Deadline auf 2027 verschoben?

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026·8 min Lesezeit
TL;DR

Die EU-Kommission hat im November 2025 im Rahmen des Digital Omnibus vorgeschlagen, die Hochrisiko-Deadline des EU AI Act auf Dezember 2027 zu verschieben. Der Vorschlag ist noch nicht verabschiedet. Bis zur formellen Bestätigung gilt: 2. August 2026 bleibt verbindlich. Verbotene Praktiken (Art. 5) und KI-Literacy (Art. 4) sind bereits seit 2. Februar 2025 vollständig in Kraft.

Im November 2025 hat die EU-Kommission ein Massnahmenpaket namens Digital Omnibus angekündigt, das unter anderem eine Verschiebung der Hochrisiko-Deadlines des EU AI Act vorschlägt. Seitdem herrscht Verunsicherung: Gilt August 2026 noch? Müssen wir noch handeln? Wie sicher ist die Verschiebung?

Dieser Ratgeber gibt klare Antworten — und eine konkrete Empfehlung trotz Unsicherheit.

Was ist der Digital Omnibus?

Der Digital Omnibus ist ein politisches Paket der EU-Kommission, das mehrere digitale Verordnungen gleichzeitig anpasst — darunter DSA, DMA, GDPR und der EU AI Act. Ziel: bürokratischen Aufwand für Unternehmen reduzieren, Wettbewerbsfähigkeit gegenüber USA/China stärken, Implementierungs-Realismus erhöhen.

Beim AI Act zielt der Omnibus auf zwei Hauptaspekte:

  • Verschiebung von Hochrisiko-Deadlines — von 2. August 2026 auf voraussichtlich Dezember 2027.
  • Vereinfachung von SME-Pflichten — leichtere technische Dokumentation für Kleinstunternehmen.

Welche Fristen sollen verschoben werden?

Verschoben (Vorschlag):

  • Hochrisiko-Pflichten nach Annex III (Art. 6 Abs. 2 + Annex III)
  • Provider-Pflichten Art. 16
  • Deployer-Pflichten Art. 26
  • Konformitätsbewertung Art. 43

Bleibt unverändert:

  • Verbotene Praktiken (Art. 5) — seit 2. Februar 2025 in Kraft
  • KI-Literacy (Art. 4) — seit 2. Februar 2025 in Kraft
  • GPAI-Pflichten (Art. 51-56) — seit 2. August 2025 in Kraft
  • Annex-I-Deadline (2. August 2027) — bleibt voraussichtlich

Wie sicher ist die Verschiebung?

Status (Mai 2026): Vorschlag der EU-Kommission. Noch nicht verabschiedet. Der Trilog mit Parlament und Rat läuft. Eine formelle Verabschiedung wird für Q3 2026 erwartet — möglicherweise erst nach dem ursprünglichen Stichtag.

Politische Risiken:

  • EU-Parlament (vor allem progressive Fraktionen) lehnt zu weite Verschiebung ab.
  • EU-Kommission unter Druck von Industrieverbänden (BITKOM, BusinessEurope, MEDEF).
  • Mitgliedstaaten uneinig — Frankreich pro Verschiebung, Niederlande kritisch.

Realistisches Szenario: Mehrheit der Beobachter erwartet eine Verschiebung von 12 bis 18 Monaten — also auf Q4 2027. Die Wahrscheinlichkeit einer kompletten Streichung ist sehr gering.

Warum du trotzdem jetzt handeln musst

Auch wenn die Verschiebung kommt, gibt es vier Gründe weiter zu arbeiten:

1. Was bereits gilt, gilt: Verbotene Praktiken, KI-Literacy und GPAI-Pflichten sind nicht Teil des Verschiebungsvorschlags. Bei Verstoss drohen sofort Bussgelder bis 35 Mio. EUR.

2. Compliance ist nicht in 6 Monaten zu bauen: Eine Konformitätsbewertung, technische Dokumentation nach Annex IV, Risikomanagementsystem nach Art. 9 — das sind 9-12 Monate Arbeit. Wer im Dezember 2027 starten will, ist 2026 schon spät dran.

3. Audit-Beweise zählen rückwirkend: Aufsichtsbehörden werden bei Prüfungen 2027/2028 fragen "wann habt ihr begonnen?". Eine dokumentierte Compliance-Reise seit 2024 wirkt deutlich besser als ein hektischer Sprint im Q4 2027.

4. Wettbewerbsvorteil: Frühe Compliance signalisiert Reife — wichtig bei B2B-Geschäft, Investoren-Due-Diligence und öffentlichen Ausschreibungen.

Was passiert wenn der Omnibus kommt

Szenario A — Verschiebung wird verabschiedet:

  • Atemzug, weniger Stress, aber Compliance-Arbeit weiterhin sinnvoll.
  • Mehr Zeit für sorgfältige Implementierung statt Schnellschuss.
  • Möglichkeit, EU-Pilotprojekte (Sandboxes) ohne Hektik zu nutzen.

Szenario B — Verschiebung wird abgelehnt:

  • 2. August 2026 bleibt scharf.
  • Volle Bussgeld-Risiko ab Tag 1.
  • Wer jetzt nicht baut, hat nie genug Zeit.

In beiden Szenarien ist der kluge Weg derselbe: weiter bauen, weiter dokumentieren, weiter klassifizieren.

Konkrete Empfehlung

Wir empfehlen unseren Mandanten:

1. Aktuelle Compliance-Roadmap nicht verlangsamen. Ziel bleibt August 2026. 2. Lateral arbeiten: GPAI-Pflichten und KI-Literacy haben sowieso keine Verschiebung — diese Arbeit ist nie verloren. 3. Trilog-Beobachtung etablieren — wir veröffentlichen wöchentliche Updates. 4. Im November 2026 neu bewerten. Dann ist klar, ob Verschiebung kommt.

Der EU AI Act wird kommen — die Frage ist nur, wann genau. Compliance-Arbeit ist nie verschwendet, sie wird höchstens zeitlich entzerrt.

Häufig gestellte Fragen

Wird die EU AI Act Deadline wirklich auf 2027 verschoben?+

Die EU-Kommission hat im November 2025 einen entsprechenden Vorschlag im Digital Omnibus gemacht. Eine formelle Verabschiedung steht noch aus. Realistisches Szenario: Verschiebung um 12-18 Monate auf Q4 2027. Bis zur Bestätigung gilt 2. August 2026 verbindlich.

Welche EU AI Act Pflichten gelten bereits jetzt?+

Verbotene Praktiken nach Art. 5 (seit 2. Februar 2025), KI-Literacy nach Art. 4 (seit 2. Februar 2025), GPAI-Pflichten nach Art. 51-56 (seit 2. August 2025). Diese sind nicht Teil des Verschiebungsvorschlags und bleiben verbindlich.

Sollte ich Compliance-Arbeit jetzt pausieren bis die Verschiebung verabschiedet ist?+

Nein. Compliance ist nicht in wenigen Monaten zu bauen — Konformitätsbewertung, technische Dokumentation und Risikomanagement-System brauchen 9-12 Monate. Wer wartet, ist auch im verschobenen Szenario spät dran.

Wann wird der Digital Omnibus offiziell verabschiedet?+

Der Trilog zwischen EU-Kommission, Parlament und Rat läuft noch. Eine formelle Verabschiedung wird für das dritte Quartal 2026 erwartet — möglicherweise erst nach dem ursprünglichen Stichtag 2. August 2026.

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Dieser Artikel basiert auf der Verordnung (EU) 2024/1689 (EUR-Lex Originaltext) und EU-AI-Office-Guidelines. Wird monatlich aktualisiert. Hinweis: Technische Orientierung — kein Ersatz für Rechtsberatung.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026

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