Substanzielle Änderung (Substantial Modification) im EU AI Act
Stand: Juni 2026 · Innopulse Consulting GmbH, Zug
Auf einen Blick
Eine substanzielle (wesentliche) Änderung liegt vor, wenn ein bereits in Verkehr gebrachtes KI-System so verändert wird, dass seine Konformität oder Zweckbestimmung betroffen ist. Wer eine solche Änderung vornimmt — auch ein Deployer — kann nach Art. 25 selbst zum Provider werden und übernimmt dessen volle Pflichten.
Art. 25 EU AI Act ist eine der praktisch folgenreichsten Vorschriften: Sie entscheidet, wann ein Unternehmen, das ein fremdes KI-System nutzt oder anpasst, plötzlich die strengen Provider-Pflichten trägt. Für Unternehmen, die GPAI-Modelle (z.B. GPT) in eigene Hochrisiko-Anwendungen einbauen, ist das zentral.
Wann wird aus Deployer ein Provider?
Nach Art. 25(1) gilt ein Deployer (oder Dritter) als Provider eines Hochrisiko-Systems, wenn er:\n- das System unter eigenem Namen/Marke in Verkehr bringt,\n- die Zweckbestimmung eines bestehenden Systems wesentlich ändert, oder\n- eine substanzielle Änderung vornimmt, die die Konformität betrifft.
Was zählt als substanziell?
Eine Änderung ist substanziell, wenn sie nach dem Inverkehrbringen erfolgt, vom Hersteller nicht vorgesehen war und die Konformität mit den Anforderungen oder die Zweckbestimmung beeinflusst. Reine Konfiguration im vorgesehenen Rahmen ist in der Regel nicht substanziell.
Praxisbeispiel
Ein Unternehmen nimmt ein allgemeines LLM und trainiert es gezielt für die automatisierte Bewerber-Vorauswahl. Damit ändert es die Zweckbestimmung in einen Annex-III-Hochrisiko-Einsatz — und wird zum Provider mit voller Tech-Doku-, Risikomanagement- und Konformitätspflicht.
Häufige Fragen
Macht mich Fine-Tuning automatisch zum Provider?
Gilt Art. 25 auch für GPAI?
Relevante Rechtsgrundlagen
Art. 25 EU AI ActArt. 3 Nr. 23 EU AI ActRecital 84 EU AI ActKlassifizieren Sie Ihre KI-Systeme — kostenlos
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