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KI-System: Definition nach EU AI Act

Stand: Mai 2026 · Innopulse Consulting GmbH, Zug

Auf einen Blick

Ein KI-System nach Art. 3 Nr. 1 EU AI Act ist ein maschinengestütztes System, das mit unterschiedlichem Autonomiegrad arbeitet, nach Bereitstellung Anpassungsfähigkeit zeigt und aus den Eingaben Outputs ableitet, die physische oder virtuelle Umgebungen beeinflussen können.

Die Definition aus Art. 3 Nr. 1 EU AI Act ist das Tor zum gesamten Regulierungsregime. Nur Systeme, die diese Definition erfüllen, fallen unter den AI Act. Klassische regelbasierte Software, Excel-Makros oder lineare Statistik-Modelle sind grundsätzlich ausgenommen — KI-Systeme im AI-Act-Sinne hingegen unterliegen je nach Risikoklasse weitreichenden Pflichten.

Wortlaut der Definition

Art. 3 Nr. 1: "KI-System ein maschinengestütztes System, das so konzipiert ist, dass es mit unterschiedlichem Grad an Autonomie betrieben werden kann und nach seiner Betriebsaufnahme Anpassungsfähigkeit zeigen kann, und das aus den erhaltenen Eingaben für explizite oder implizite Ziele ableitet, wie Ausgaben wie etwa Vorhersagen, Inhalte, Empfehlungen oder Entscheidungen erstellt werden, die physische oder virtuelle Umgebungen beeinflussen können."

Sieben Kriterien — alle müssen erfüllt sein

  • Maschinengestützt: Software/Hardware-Implementierung
  • Autonomie: Mindestens partiell ohne menschlichen Eingriff entscheidend
  • Anpassungsfähigkeit: Kann nach Deployment lernen oder sich verändern
  • Inferenz: Leitet Output aus Input ab — nicht nur lookup
  • Explizite oder implizite Ziele: Optimiert auf etwas hin
  • Output: Vorhersagen, Inhalte, Empfehlungen oder Entscheidungen
  • Umweltauswirkung: Beeinflusst physische oder virtuelle Umgebungen

Was ist KEIN KI-System?

Recital 12 grenzt aus: - Reine regelbasierte Systeme ohne Lernfähigkeit (z.B. klassische Workflow-Engines) - Statistische Methoden mit fester Formel (z.B. lineare Regression mit fixen Koeffizienten) - Excel-Makros und SQL-Queries - Operationsforschungs-Optimierungen mit deterministischem Algorithmus

Grenzfälle: ML-basierte Empfehlungssysteme, Reinforcement-Learning-Bots, generative Modelle — alle KI-Systeme.

Häufige Fragen

Ist mein Excel-Makro ein KI-System?
Nein. Excel-Makros mit fester Logik fallen nicht unter Art. 3 Nr. 1, weil sie keine Inferenz im AI-Act-Sinne durchführen. Erst wenn ML-Modelle zugrunde liegen (z.B. Power BI mit ML-Forecast), wird der AI Act relevant.
Ist ChatGPT ein KI-System?
Ja. ChatGPT ist ein KI-System (genauer: ein GPAI-Modell mit Chatbot-Frontend). Die Pflichten ergeben sich aus Art. 50 (Transparenz für Endnutzer) und Art. 51-55 (GPAI-Provider-Pflichten für OpenAI).
Sind Schach-Engines KI-Systeme?
Klassische Schach-Engines wie Stockfish (Alpha-Beta-Suche mit handgemachten Heuristiken) sind grenzwertig — meist NICHT KI-Systeme. Neuronale Engines wie AlphaZero oder LeelaChessZero sind eindeutig KI-Systeme.

Relevante Rechtsgrundlagen

Art. 3 Nr. 1 EU AI ActRecital 12 EU AI ActRecital 6 EU AI Act

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Verfasst auf Basis der Verordnung (EU) 2024/1689, EDPB-Guidelines und CJEU-Rechtsprechung (C-634/21 SCHUFA, C-203/22 Dun & Bradstreet). Gotthardstrasse 30, 6300 Zug, Schweiz · UID CHE-219.727.921.

Hinweis: Technische Orientierung — kein Ersatz für anwaltliche Rechtsberatung.