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Hochrisiko

EU AI Act Frist 2. August 2027: Annex-I-Produkte (Maschinen, Medizinprodukte)

Stand: Mai 2026 · Innopulse Consulting GmbH, Zug

Auf einen Blick

Der 2. August 2027 ist die Frist für KI-Sicherheitskomponenten in Annex-I-Produkten — Maschinen, Medizinprodukte, Spielzeug, Aufzüge, Fahrzeuge, Funkgeräte. Wer KI in diesen Produkten verbaut, muss alle Hochrisiko-Pflichten zusätzlich zu MDR/MD-V/RED erfüllen — typisch via Modul H (Notified Body).

Der 2. August 2027 schliesst den letzten grossen Anwendungs-Stichtag des EU AI Act ab. Ab diesem Datum greifen die Hochrisiko-Pflichten für KI-Sicherheitskomponenten in Produkten, die unter Annex I des AI Act fallen — also unter bestehende EU-Produktsicherheits-Verordnungen. Konkret: Maschinenverordnung (MaschV / EU 2023/1230), Medizinprodukte-Verordnung (MDR / EU 2017/745), IVD-Verordnung, Spielzeug-Sicherheits-Richtlinie, Aufzugsrichtlinie, Druckgeräte-Richtlinie, Sportboot-Richtlinie, Funkanlagen-Richtlinie (RED), Personenschutzausrüstung-Verordnung sowie Eisenbahn-, Luftfahrt- und Kfz-Sicherheits-Verordnungen. Hersteller von Produkten in diesen Bereichen mit eingebetteter KI haben einen längeren Übergang (bis 2027), weil bereits etablierte Konformitätsbewertungs-Strukturen mit der AI-Act-Compliance harmonisiert werden müssen. Praktisch: Notified Bodies erweitern ihre Module H-Bewertungen um AI-Act-Kriterien.

Welche Produkte sind Annex I?

Annex I EU AI Act listet bestehende Sektor-Verordnungen:

Section A (klassisches "New Approach"): - Maschinenverordnung 2023/1230 - Spielzeugrichtlinie 2009/48/EG - Sportboot-Richtlinie 2013/53/EU - Aufzugsrichtlinie 2014/33/EU - ATEX-Richtlinie 2014/34/EU - Funkanlagen-Richtlinie (RED) 2014/53/EU - Druckgeräte-Richtlinie 2014/68/EU - Seilbahn-Verordnung 2016/424 - Persönliche Schutzausrüstung 2016/425 - Gas-Geräte-Verordnung 2016/426 - Medizinprodukte-Verordnung 2017/745 (MDR) - IVD-Verordnung 2017/746

Section B (Transport & Sektoren): - Zivilluftfahrt 2018/1139 - Kraftfahrzeuge 2018/858 + 2019/2144 - Schiffsausrüstung 2014/90/EU - Eisenbahn-Interoperabilität 2016/797 - Marinegerät, Drohnen, etc.

Was bedeutet "Sicherheitskomponente" im AI Act?

Eine KI gilt als "Sicherheitskomponente" eines Annex-I-Produkts, wenn sie:

  • in das Produkt eingebettet ist oder als separate Komponente fungiert
  • die Sicherheits- oder Schutzfunktion des Produkts ausführt
  • bei Versagen Personen, Eigentum oder Umwelt gefährden kann

Beispiele: - KI-basiertes Bremsassistenz-System (Kfz-Verordnung) - KI-Diagnose in einem MDR-Klasse-IIa-Gerät - Anomalie-Detection in einer Industriemaschine zur Kollisions-Vermeidung - Predictive-Maintenance-KI in einem Aufzug, die Sicherheitsabschaltungen auslöst

Reine Convenience-KI (z.B. Sprachsteuerung im Auto ohne Sicherheitsfunktion) ist nicht Annex I.

Wie ist das Zusammenspiel mit MDR, MaschV, RED?

Hersteller von Annex-I-Produkten mit KI haben doppelte Compliance:

  • bestehende Sektor-Verordnung (MDR, MaschV, RED, etc.) UND
  • AI-Act-Hochrisiko-Pflichten Art. 9-15

Erleichterung: Konformitätsbewertung erfolgt im integrierten Modul H (oder analog) durch denselben Notified Body. AI-Act-Compliance wird Teil der MDR/MaschV-Bewertung — nicht ein zweites separates Verfahren.

Beispiel MDR: Ein Klasse-IIa-Diagnostikgerät mit KI-Komponente durchläuft eine erweiterte MDR-Konformitätsbewertung, die AI-Act-Anforderungen integriert. Notified Body prüft beide Compliance-Level.

Beispiel MaschV: Eine Industriemaschine mit KI-Sicherheits-Anomalie-Detection braucht erweiterte Risikoanalyse nach MaschV + AI-Act-Logging + technische Dokumentation Annex IV.

Übergangsregelung: Was ist mit bereits zertifizierten Produkten?

Art. 111 EU AI Act regelt Bestandsschutz:

  • Annex-I-Produkte, die vor dem 2. August 2027 in Verkehr gebracht wurden, müssen erst dann AI-Act-konform werden, wenn eine wesentliche Änderung vorgenommen wird (Art. 111 Abs. 3)
  • Eine reine Modell-Aktualisierung gilt nicht zwingend als wesentliche Änderung — Art. 43 Abs. 4 hat strenge Kriterien
  • Neue Produktversionen (Major Release) ab August 2027 müssen voll AI-Act-compliant sein

Das gibt Herstellern Planungssicherheit für bestehende Produkt-Linien, aber neue Produktlinien müssen ab 2027 von Anfang an AI-Act-konform designed sein.

Häufige Fragen

Müssen MDR-Klasse-I-Produkte mit KI auch unter den AI Act?
Ja, sofern die KI eine Sicherheitskomponente ist. Klasse-I-Geräte ohne Sicherheits-KI bleiben aber meist ausserhalb von Hochrisiko. Klasse-IIa und höher mit KI-Diagnose-Funktion sind klar Hochrisiko nach Annex I AI Act.
Welche Notified Bodies machen AI-Act-Bewertungen?
Bestehende Notified Bodies für Sektor-Verordnungen (MDR-Notified-Bodies, Maschinenrichtlinien-NBs) erweitern ihre Befugnisse um AI Act. Neue Designations werden seit 2025 gemacht — Liste in der NANDO-Datenbank der Kommission.
Brauchen wir doppelte CE-Kennzeichen für AI Act und MDR?
Nein. Es gibt nur ein CE-Kennzeichen pro Produkt. Die EU-Konformitätserklärung listet aber alle erfüllten EU-Verordnungen auf — also MDR + AI Act. Die Konformitätsbewertung erfolgt integriert.
Was ist mit Software-only-Medizinprodukten ohne Hardware?
Software as a Medical Device (SaMD) fällt unter MDR. Wenn KI-Funktionen vorhanden sind: zusätzlich AI Act ab 2027. Beispiele: KI-basierte Diagnose-Apps, Therapie-Empfehlungen, Triage-Algorithmen.

Relevante Rechtsgrundlagen

Annex I EU AI ActArt. 6 Abs. 1 EU AI ActArt. 43 EU AI ActArt. 111 EU AI ActMDR (EU) 2017/745MaschV (EU) 2023/1230

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Innopulse Consulting GmbH — EU AI Act Compliance

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