EU AI Act Frist 2. August 2025: GPAI-Modelle und Governance
Stand: Mai 2026 · Innopulse Consulting GmbH, Zug
Auf einen Blick
Seit dem 2. August 2025 sind die GPAI-Modell-Pflichten nach Art. 53 anwendbar: technische Dokumentation, Information für Downstream-Deployer, Copyright-Compliance, Trainingsdaten-Summary. Zusätzlich: AI Office aktiv, nationale Aufsichtsbehörden benannt, Bussgeld-Regime der EU greift offiziell.
Der 2. August 2025 markiert den zweiten anwendbaren Stichtag des EU AI Act. Damit greifen drei zentrale Bausteine: Erstens die Pflichten für Anbieter von General-Purpose-AI-Modellen (Art. 53–55), zweitens die nationalen Aufsichtsstrukturen und das EU-AI-Office, drittens das volle Bussgeld-Regime nach Art. 99. GPAI-Anbieter wie OpenAI, Anthropic, Google, Mistral und Aleph Alpha müssen seit August 2025 technische Dokumentation, Trainingsdaten-Summaries, Copyright-Compliance-Erklärungen und ein Risikomanagement bei systemischen Risiken vorweisen. Für Deployer (Unternehmen, die GPAI-Modelle nutzen): Pflicht zur Sichtung der Provider-Informationen und zur Anpassung an Annex-III-Use-Cases. Die Kommission hat den GPAI Code of Practice veröffentlicht — Anbieter, die ihn signieren, gelten als compliant (presumption of conformity).
Welche GPAI-Pflichten gelten seit August 2025?
Art. 53 EU AI Act für alle GPAI-Anbieter:
- Technische Dokumentation: Modell-Architektur, Trainingsdaten-Quellen, Compute-Ressourcen, Test-Methodologie
- Downstream-Information: Provider müssen Deployern alle nötigen Informationen für deren Compliance liefern
- Copyright-Compliance: Policy zur Achtung von Urheberrechten beim Training
- Trainingsdaten-Summary: Öffentliche Zusammenfassung der Trainingsdaten (Template von AI Office)
- Bei Systemic Risk (>10^25 FLOPS): Zusätzlich Modell-Evaluations, Adversarial-Testing, Cybersecurity, Incident-Reporting
Wer ist GPAI? Modelle, die "ein erhebliches Mass an Allgemeinheit" zeigen — typisch: Foundation Models wie GPT-4, Claude, Gemini, Llama, Mistral Large.
Was bedeutet GPAI für deutsche / österreichische / Schweizer Deployer?
Wenn Sie ChatGPT, Claude, Copilot oder ähnliche Tools nutzen, sind Sie Deployer eines GPAI-Modells. Pflichten ab August 2025:
- Provider-Dokumentation sichten (Modellkarte, Trainingsdaten-Summary)
- Bei Annex-III-Use-Case (z.B. Recruiting-CV-Screening mit ChatGPT): zusätzlich Hochrisiko-Pflichten ab August 2026
- Art. 50-Transparenz: Bei Chatbots Hinweis "Sie chatten mit einer KI"
- Bei AI-generierten Texten/Bildern: Watermarking falls technisch verfügbar
KMU-Praxis: Die meisten ChatGPT-Nutzer fallen unter "minimales Risiko" oder "begrenztes Risiko" (Transparenz). Hochrisiko entsteht erst durch Use-Case (HR, Kredit, Bildung), nicht durch das Modell selbst.
AI Office und nationale Aufsicht — wer macht was?
Seit August 2025 ist die Aufsichtsstruktur etabliert:
- AI Office (EU-Kommission, Brüssel): Zentrale Aufsicht für GPAI-Modelle, Coordination, Code of Practice
- Deutschland: BNetzA (Bundesnetzagentur) für AI Act, BfDI für AI-DSGVO-Schnittstelle, BSI für Cybersecurity
- Österreich: RTR (Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH) als Single Point of Contact
- Schweiz: keine direkte AI-Act-Aufsicht — EDÖB für DSGVO-Aspekte, Marktzugang über EU-Konformität
EDPB und EDPS koordinieren bei AI-DSGVO-Schnittstellen (z.B. Profiling, automatisierte Einzelentscheidung).
Bussgeld-Regime seit August 2025
Drei Tiers nach Art. 99 EU AI Act:
- Art. 5-Verstösse (verbotene KI): bis 35 Mio. EUR oder 7 % Umsatz
- Sonstige Hochrisiko-/GPAI-Verstösse: bis 15 Mio. EUR oder 3 % Umsatz
- Falsche Behörden-Information: bis 7,5 Mio. EUR oder 1 % Umsatz
KMU-Reduktion (Art. 99 Abs. 7): Bussgelder werden proportional zur Unternehmensgrösse reduziert. Nicht-EU-Anbieter ohne Niederlassung können über Art. 22 (Authorised Representative) belangt werden.
Häufige Fragen
Müssen wir als ChatGPT-Nutzer etwas tun seit August 2025?
Gilt der GPAI Code of Practice rückwirkend?
Was ist Systemic Risk bei GPAI?
Können auch deutsche/EU-AI-Anbieter unter Systemic Risk fallen?
Relevante Rechtsgrundlagen
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